Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind die Spritpreise in Europa und auch in den USA hochgeschnellt. So kosteten ein Liter Diesel in der 8. Kalenderwoche 2022 noch 1,65 Euro im bundesweiten Mittel, der Liter Super 95 lag mit durchschnittlich 1,71 Euro knapp darüber. Der Dieselpreis lag damals noch unter dem Benzinpreis, was der alltäglichen Wahrnehmung über Jahre und Jahrzehnte entsprach. Mit Kriegsausbruch in der Ukraine änderte sich dieses Verhältnis rapide. Erstmals kostete und kostet der Dieselkraftstoff an der Tankstelle mehr als Benzin. Stand Juli 2022 hat sich daran nichts geändert. Aufgrund staatlicher Regulierungsmaßnahmen in Form des Tankrabatts haben sich die Spritpreise insgesamt ein wenig beruhigt, allerdings ist das Verhältnis Diesel zu Benzin geblieben.

Rechnet sich der Diesel noch?

Trotz Anstieg der zugelassenen Elektroautos in Deutschland ist der Dieselmotor weiterhin ein beliebtes Verbrennerkonzept. Doch die Trendwende weg vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor ist auch bei den Neuwagenzulassungen klar erkennbar. Nach offiziellen Daten des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg wurden im Jahr 2021 524.000 neue Autos mit Dieselmotor zugelassen. Das sind 36 Prozent weniger als 2020. Die Coronapandemie hat sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, dass insgesamt weniger Autos neu zugelassen wurden. Aber auch das direkte Verhältnis von Benzin und Diesel in der relativen Neuzulassungsquote setzt den Trend fort: von den insgesamt 2,6 Millionen Neufahrzeugen in Deutschland im Jahr 2021 waren noch ca. 57 Prozent mit einem Verbrennungsmotor konfiguriert. Davon entfielen 972.000 auf ein Auto mit einem Benzinantrieb und 524.000 auf ein Auto mit Dieselmotor. In relativen Zahlen entspricht das einem Verhältnis von 37,1 Prozent Autos mit Benzin zu 20 Prozent Dieselautos.

Dieselprivileg bei der Mineralölsteuer bald abgeschafft?

Lohnt sich Diesel noch? Oder doch besser direkt ein E Auto kaufen? Diese Frage kommt in der heutigen Zeit unweigerlich auf. Diesel fahren ist teuer bzw. teurer als noch vor einigen Monaten. Aktuell (Stand 12.07.2022) sind die Dieselpreise zwar geringer als noch im März 2022, als der Liter Dieselkraftstoff zu Spitzenzeiten am 15. März 2022 knapp 2,30 Euro kostete. Doch die aktuelle Diesel- und Heizölnachfrage lassen den Dieselpreis weiterhin auf hohem Niveau, trotz Dieselprivileg. Diese staatliche Maßnahme zur Förderung des Güter- und Personenverkehrs wurde in den 90er Jahren implementiert und hatte zur Folge, dass der Dieselpreis stets deutlich unter dem Benzinpreis lag. Der Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grüne sieht vor, das sogenannte Dieselprivileg aus Gunsten des Klimaschutzes und aus Gründen der Haushaltsentlastung zu streichen. Diesel wird bei der Energie-Steuer, vormals bekannt als Mineralölsteuer, mit 47,07 Cent je Liter besteuert, Benzin dagegen mit 65,45 Cent je Liter. Sollte sich die Abschaffung des Dieselprivilegs durchsetzen, würde der Dieselpreis nochmals teuer werden. Sollte die nachfragebedingte Preisdynamik also nicht nachgeben, wäre mit einem – vermutlich dauerhaften – Preis von deutlich über 2 Euro für einen Liter Diesel zu rechnen.

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